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Individualsoftware und Automatisierung

AS/400 ablösen oder anbinden: So entscheiden Sie 2026

Titan Web Solutions GmbH 7 Min. Lesezeit

Die AS/400 im Lager läuft seit 22 Jahren zuverlässig, jede Bestellung geht über sie, doch der einzige Mitarbeiter, der die RPG-Programme wirklich versteht, geht in zwei Jahren in Pension. Diese Situation kennen viele Geschäftsführer in Fertigungs- und Handelsbetrieben in Wien und Niederösterreich: Die Technik funktioniert, das Wissen dazu verschwindet. Wer jetzt vor der Frage steht, ob er die AS/400 ablösen oder anbinden soll, braucht keine Grundsatzdebatte, sondern eine Entscheidungsgrundlage.

Warum die AS/400 heute zum Risiko wird, obwohl sie stabil läuft

Das eigentliche Risiko einer AS/400 ist nicht die Technik, sondern das schwindende Know-how dahinter. 69 Prozent der Teilnehmer der Fortra IBM i Marketplace Survey 2026 nennen IBM-i-Skills als ihre größte Sorge, ein Wert, der erstmals seit neun Jahren die Cybersicherheit von Platz eins verdrängt, wie IT Jungle berichtet.

Der Wert ist zudem kein Ausreißer, sondern ein klarer Trend: 2020 lag der Anteil bei 45 Prozent, 2025 bei 60 Prozent, jetzt bei 69 Prozent, ein Anstieg von 24 Prozentpunkten in sieben Jahren. Cybersecurity bleibt mit 64 Prozent weiterhin ein wichtiges Thema, ist gegenüber dem Höchststand von 79 Prozent im Jahr 2024 aber spürbar zurückgegangen. Application Modernization liegt mit 62 Prozent bereits auf Platz drei der genannten Sorgen.

Die Fachkräftebasis für RPG und AS/400 altert deutlich schneller, als Nachwuchs entsteht. Laut der Auswertung von Procern auf Basis der ALL400S-Jahresendumfrage 2023 sind über 72 Prozent der IBM-i-Entwickler mindestens 50 Jahre alt, 35,8 Prozent sind bereits 60 Jahre oder älter. 46,5 Prozent planen, innerhalb der nächsten zehn Jahre in Rente zu gehen, weitere 5,6 Prozent sind bereits ganz oder teilweise im Ruhestand. Nur 48,7 Prozent planen in diesem Zeitraum keinen Ruhestand. 30 Prozent der befragten Unternehmen geben zudem an, es sei zu schwer, RPG-Programmierer zu finden, die vor Ort arbeiten.

Für einen Betrieb, dessen Warenwirtschaft seit über 20 Jahren auf AS/400 läuft, heißt das: Der Ausfall des Systems ist selten das Problem. Das Problem ist, dass in fünf oder zehn Jahren niemand mehr da ist, der es reparieren oder erweitern kann.

Zwei Wege, ein Ziel: Anbinden versus Ablösen

Anbinden und Ablösen sind keine Gegensätze, sondern zwei Enden eines Spektrums. Bei der Anbindung bleibt die AS/400 im Kern bestehen und bekommt Schnittstellen zu Webshop, CRM oder Excel, bei der Ablöse wird die Funktionalität schrittweise oder vollständig in ein neues System überführt.

Technisch ist die Anbindung heute gut machbar. IBM selbst stellt mit den Integrated Web Services für IBM i ein natives Werkzeug bereit, mit dem sich bestehende RPG- oder COBOL-Programme und SQL-Abfragen ohne Neuschreiben als SOAP- oder REST-Schnittstelle bereitstellen lassen, laut IBM Support-Dokumentation. Das ist die technische Grundlage für Projekte wie eine Excel-zu-AS/400-Anbindung, wie wir sie in der Praxis für Fachbetriebe umgesetzt haben: Bestelldaten oder Lagerbestände fließen automatisiert zwischen Excel-Tabellen und der AS/400, ohne dass Mitarbeiter Daten doppelt erfassen.

Eine vollständige Ablöse ersetzt das Altsystem dagegen durch individuelle Software, meist auf modernen Frameworks. Das lohnt sich, wenn die AS/400 nicht nur schwer zu integrieren ist, sondern fachlich an ihre Grenzen stößt, etwa weil Geschäftslogik erweitert werden muss, die im bestehenden RPG-Code kaum mehr wartbar ist. Für viele KMU, die wir im Bereich Individualsoftware und Automatisierung begleiten, ist die Anbindung der pragmatischere erste Schritt: Sie löst das akute Integrationsproblem, ohne das Risiko einer Komplettmigration einzugehen.

Was beide Wege wirklich kosten, und warum es keine Pauschalzahl gibt

Eine pauschale Kostenzahl für Anbinden versus Ablösen gibt es nicht, und sie wäre auch nicht seriös. Anbieteranalysen wie Nalashaa weisen ausdrücklich darauf hin, dass sich die Kosten nicht in einer einfachen Zahl zusammenfassen lassen. Entscheidend sind stattdessen konkrete Kostentreiber, die sich nur im Einzelfall bewerten lassen.

Folgende Faktoren bestimmen in der Praxis, welcher Weg günstiger ist:

  • Zahl und Komplexität der benötigten Schnittstellen, etwa zu Webshop, CRM oder Buchhaltung
  • Datenvolumen und Datenqualität, saubere Stammdaten senken den Aufwand deutlich
  • Zustand und Alter des bestehenden RPG-Codes, gut dokumentierte Programme lassen sich günstiger anbinden oder ablösen als gewachsener Code ohne Dokumentation
  • Testaufwand, besonders wenn geschäftskritische Prozesse wie Lagerbuchungen betroffen sind
  • Parallelbetrieb, also wie lange Alt- und Neusystem gleichzeitig laufen müssen

Tendenziell ist die Anbindung günstiger, wenn wenige, klar abgegrenzte Schnittstellen fehlen. Eine vollständige Ablöse rechnet sich eher, wenn ohnehin mehrere Systeme ersetzt werden müssten oder die AS/400 fachlich an ihre Grenzen stößt. Eine belastbare Zahl dafür liefert erst eine Bestandsaufnahme des konkreten Systems, zum Beispiel im Rahmen eines Prozess-Checks.

Stolpersteine, die Projekte teuer machen

Die teuersten Fehler bei AS/400-Projekten entstehen selten durch die gewählte Technik, sondern durch unterschätzte Altlasten: fehlende Dokumentation, versteckte Abhängigkeiten im RPG-Code, zu knapp bemessene Tests und ein fehlender Rollback-Plan.

Unvollständige Dokumentation. Viele AS/400-Systeme sind über Jahre gewachsen, oft ohne dass Änderungen konsequent dokumentiert wurden. Wer ein Modul anbinden oder ablösen will, muss die tatsächliche Logik oft erst aus dem Code selbst rekonstruieren.

Versteckte Abhängigkeiten. Ein Report, der scheinbar isoliert läuft, greift oft auf Datenstrukturen zu, die auch andere Programme nutzen. Wird das übersehen, entstehen Folgefehler, die erst Wochen später auffallen.

Unterschätzter Testaufwand. Gerade bei Lagerbuchungen oder Auftragsabwicklung führt jeder Fehler direkt zu falschen Beständen oder falschen Lieferungen. Der Testaufwand für diese Prozesse wird in Projektplänen regelmäßig zu knapp angesetzt.

Fehlender Rollback-Plan. Wer ohne klaren Weg zurück in Produktion geht, riskiert bei Problemen einen ungeplanten Stillstand. Ein Parallelbetrieb von Alt- und Neusystem für eine definierte Übergangszeit ist der sicherere Weg.

Wie eine fundierte Entscheidung entsteht

Eine fundierte Entscheidung entsteht aus drei Schritten: einer ehrlichen Bestandsaufnahme der bestehenden AS/400-Landschaft, einer Priorisierung nach Geschäftskritikalität und einem schrittweisen Vorgehen, das Risiko reduziert, statt es auf einen einzigen Stichtag zu konzentrieren.

Ein etabliertes Muster dafür ist der Strangler-Fig-Ansatz von Martin Fowler: Neue Funktionen werden außen angedockt, Altfunktionen werden Stück für Stück abgelöst, während das bestehende System weiterläuft. Das reduziert das Risiko einer Vollmigration erheblich, weil zu keinem Zeitpunkt der komplette Betrieb von einer einzigen Umstellung abhängt.

In der Praxis beginnt eine solche Entscheidung am besten mit einer neutralen Bestandsaufnahme, unabhängig davon, ob am Ende eine Schnittstelle oder eine vollständige Ablöse steht. Wer parallel dazu auch klären möchte, wie der laufende Betrieb von bestehenden oder neuen Systemen abgesichert wird, findet dazu weitere Informationen unter Wartung und Hosting.

FAQ zu AS/400 ablösen oder anbinden

Muss eine stabil laufende AS/400 abgelöst werden?

Nein, eine stabil laufende AS/400 muss nicht sofort abgelöst werden. Wenn das eigentliche Problem eine fehlende Integration mit Webshop, CRM oder Excel ist, löst häufig eine Schnittstelle das Problem schneller und mit geringerem Risiko als eine vollständige Migration. Ob eine Ablöse trotzdem sinnvoll ist, hängt vor allem von Geschäftskritikalität und Zustand des bestehenden Codes ab.

Was kostet die Anbindung einer AS/400 im Vergleich zur Ablöse?

Für diesen Vergleich gibt es keine seriöse Pauschalzahl, das bestätigen auch Anbieteranalysen ausdrücklich. Die tatsächlichen Kosten hängen von der Zahl der Schnittstellen, dem Datenvolumen, dem Zustand des bestehenden RPG-Codes und dem Testaufwand ab. Eine belastbare Einschätzung liefert erst eine Bestandsaufnahme des konkreten Systems.

Warum ist RPG-Know-how so schwer zu finden?

RPG-Know-how ist schwer zu finden, weil die Entwicklerbasis stark gealtert ist. Über 72 Prozent der IBM-i-Entwickler sind laut einer Auswertung von Procern mindestens 50 Jahre alt, 35,8 Prozent sind bereits 60 Jahre oder älter, und knapp die Hälfte plant den Ruhestand innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Wie funktioniert eine Anbindung der AS/400 an moderne Systeme technisch?

Technisch lässt sich eine AS/400 meist über die Integrated Web Services für IBM i anbinden, ein natives IBM-Werkzeug, mit dem bestehende RPG- oder COBOL-Programme als REST- oder SOAP-Schnittstelle bereitgestellt werden, ohne den Code neu zu schreiben. Damit lassen sich Daten automatisiert mit Excel, Webshops oder CRM-Systemen austauschen.

Was ist der Strangler-Fig-Ansatz bei einer AS/400-Migration?

Der Strangler-Fig-Ansatz ist ein Migrationsmuster, bei dem neue Funktionen schrittweise außen an das Altsystem angedockt und alte Funktionen Stück für Stück abgelöst werden, während die AS/400 weiterläuft. Das senkt laut Martin Fowler das Risiko gegenüber einer Vollmigration an einem einzigen Stichtag deutlich.

Nächster Schritt

Wenn Sie nicht genau wissen, welcher Weg für Ihre AS/400 tatsächlich der günstigere und risikoärmere ist, lässt sich das in einem Prozess-Check klären, einem Beratungsgespräch, kein Verkaufsgespräch. Wir bewerten dort konkret die Schnittstellen, den Code-Zustand und die Kostentreiber Ihres Systems. Prozess-Check für Ihre AS/400 anfragen.

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